Noch ein Wort zu Celina

Mmh, heute bin ich aber mitteilungsbedürftig…dabei wollte ich seit Wochen noch etwas zu dem verstorbenen Meerie Celina schreiben…das war ja so, Celina ist mir sonntags aufgefallen, weil sie komisch im Gehege saß (ich hab einen Blick dafür, braucht man auch!), also habe ich sie „geschnappt“ und da ich merkte, dass mit ihr absolut etwas nicht stimmt, bin ich sofort in die Tierklinik, wo sie auf der Stelle aufgrund eines Darmvorfalls (?) operiert wurde…warum ich das schreibe: die OP hat mich fast 150 Euro gekostet…Celina ist 30 Stunden nach dieser OP trotzdem gestorben…nach 30 Stunden, in denen ihre Lebensqualität gleich null war, null komma null. Ich weiß noch, wie mir der TA sagte, dass es zwei Möglichkeiten gibt: 1. OP – für ein Haufen Geld – ohne jegliche Garantie, dass sie es packt, es kann gut gehen, es kann schief gehen…oder 2. Einschläfern…dass ich keine, nicht eine einzige millisekund überlegen musste, ob ich 1. oder 2. wähle versteht sich hoffentlich von selbst…wer in so einer Situation abwägen muss, der sollte aufhören, Tiere zu haben. Wenn ich tatsächlich hätte überlegen müssen, ob ich es versuche oder nicht, dann wäre es besser, ich würde alle Tiere auf der Stelle hergeben…Leben kann man nicht in Geld aufwiegen und ich wäre mit meiner Art zu leben fehl am Platz, wenn ich auch nur für Sekunden Möglichkeit 2 in Betracht gezogen hätte, solange mir der TA sagt, dass es nicht erforderlich ist, weil es Hoffnung, wie schwindend klein auch immer, gibt…ich habe ihn gefragt, ob sie, wenn sie es packt, bleibende Schäden behalten kann (was für mich evtl., hätte die Antwort ja gelautet, ein Grund gewesen wäre, über Möglichkeit 2 nachzudenken, da für mich die Lebensqualität ausschlaggebend ist…ich bin strikt dagegen, Tiere dahinsiechen zu lassen, bloß weil man nicht loslassen kann) – er hat verneint…dann erst habe ich ihn gefragt, was die OP kosten würde…ich möchte betonen, dass diese Summe für mich ein Vermögen ist…ich bin niemand, der 150 Euro „zum Fenster rauswirft“, weil ich es mir schier nicht leisten kann…aber hier ging es um Leben oder Tod…wer wäre ich, wenn ich Celina aus Geiz hätte einschläfern lassen? Es gibt immer eine Lösung, irgendwie, egal wie! Geld bedeutet mir nichts…Leben ist Reichtum! Ich habe definitiv eine Schmerzgrenze und 150 Euro sind für mich ein Batzen Geld…das ist keine Summe, bei der ich müde lächle, weil es peanuts sind…für mich ist das verdammt viel Geld, aber wenn es um Leben oder Tod geht, wie hätte ich da bitte entscheiden sollen? Ich kann nicht sagen, bei welchem Betrag meine Schmerzgrenze erreicht ist, weil man immer das Individuum und die Gesamtsituation betrachten muss, aber ich war für Celina verantwortlich und diese Verantwortung nehme ich verdammt noch mal sehr sehr ernst! Mir war in jenem Moment völlig bewusst, dass mir diese 150 Euro vorne und hinten fehlen werden, dass ich nur noch 2 Säcke Hundefutter hatte und dringend neues kaufen musste…dass soooo viele Sachen anstehen, offene Tierarztrechnungen…so viel, für das ich 150 Euro dringend gebraucht hätte…aber ich hätte mich nicht für den Rest meines Lebens fragen wollen, ob sie es gepackt hätte, wenn ich nur das Geld investiert hätte…sie ist trotzdem gestorben, es war so gesehen vergeudetes Geld, aber ich muss mich nicht quälen, was gewesen wäre, wenn…ich hab es versucht, es war erfolglos und das ist bitter…nicht nur wegen der 150 Euro, die für mich echt einen großen Unterschied machen, sondern weil Celina ein richtig junges Tier war, das noch Jahre hätte leben können (wäre sie richtig alt gewesen und sowieso irgendwie schwach, hätte ich vielleicht auch Möglichkeit 2 in Betracht gezogen, aber nicht so)…das gehört dazu…wer in Leben investiert, wird immer unbezahlbare Verluste machen…es ist frustrierend und das Geld fehlt heute noch…aber Celina war es mir wert und ich werde mich nicht rechtfertigen, denn es war meine Entscheidung und ich wünsche niemandem, dass er je in so einer Situation ist…der TA muss auch gedacht haben, was ich für eine bin…ich stand in alten Klamotten (sonntags ist bei mir kein Schickimicki Tag, ich geh schließlich nicht auf ne Modenschau), ziemlich verdreckt (war gerade am Ausmisten), mit zerzausten Haaren (passiert beim Spazierengehen) und einfach ziemlich fertig, unansehnlich und armselig in der Klinik…es hat ihn garantiert gewundert, dass jemand mit meinem Erscheinungsbild gewillt ist, so viel Geld für ein Meerschweinchen auszugeben…ist ja „nur“ ein Meerschweinchen…in einer Zoohandlung würde man für das Geld gut 10 neue bekommen! Aber gerade weil ich zu Hause mit den Tieren so runtergekommen rumlaufe, bin ich so reich: bei mir wird das Geld in Leben investiert anstatt in Äußerlichkeiten!
Was mich etwas betrübt hat, ist, dass selbst Leute, die sich als „Meerschweinchenfreunde“ bezeichnen und sehr viel Liebe zu diesen Tieren haben, mir hinterher gesagt haben „so viel Geld hätte ich für ein Meerschweinchen nicht ausgegeben“…traurigerweise sind es genau diese Leute, die keine Sekunde mit der Wimper zucken, wenn es darum geht, einen teuren Markenpulli zu kaufen…da sind 50 Euro dann plötzlich gar nichts…das ist echt eine krasse Werteverschiebung…150 Euro für eine evtl. lebensrettende OP für ein Tier – das ist viel Geld…wenn es aber um irgendwelche wertlose Konsumscheiße geht, da gibt man dann im Monat die gleiche Summe aus, ohne je drüber nachzudenken…
Was ich erschreckend finde ist meine eigene „Einstellung“: hätte es sich um einen Hund gehandelt, wären mir 150 Euro viel „weniger“ vorgekommen…wie doof ist das denn bitte von mir, dass selbst ich den Gedanken habe „Kleines Tier – kleine Kosten“ – größeres Tiere, höhere Kosten??? Ahhh! Dabei weiß ich doch schon lange, dass mich meine Kleintiere bei der tiermedizinischen Versorgung am meisten reinreißen…vor allem die Meerschweinchen sind sooo anfällig und die Behandlung kostet meist mindestens genauso viel Geld wie wenn ich mit einem Hund zum TA gehe…aber mir sind sie das wert!
Was ich daraus gelernt habe? Dass ich meinem Bauchgefühl mehr trauen sollte…ich habe geahnt, dass sie es nicht packt…aber 150 Euro sind ein relativ kleiner Preis im Vergleich zu dem Preis, was es mich gekostet hätte, mich immer mit der Frage zu quälen, ob sie es geschafft hätte…was würden wir erfahren, wenn wir alles vorher wüssten…